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Camino 2007
Vorwort

Ein altes Sprichwort sagt: 'Alles neu macht der Mai.' Ist damit nicht  meistens gemeint, dass etwas Gegenständliches verändert wird? Aber warum nicht auch einmal die Urlaubsplanung? Eine simple Frage: "Gehst Du den Camino de Santiago mit?" sorgte dafür, eine völlig neue Art der Ferienplanung in Angriff zu nehmen. Und die noch einfachere Antwort: "Ja." war für rasendes Herzklopfen verantwortlich. Nachdem sich die Herzfrequenz wieder im Normalbereich befand, hieß es für meine Freundin – die für den Probe-Herzinfarkt verantwortlich war -  und mich, mit der konkreten Ausgestaltung des abenteuerlichen Vorhabens zu beginnen. Im Klartext bedeutete es, dass wir von Burgos aus bis Santiago de Compostela pilgern wollten. Die Betonung liegt auf pilgern, wohl gemerkt, wandern in einer anderen Dimension oder vielleicht auch Sphäre?

Nicht erst seit dem hervorragenden Buch von Hape Kerkeling machen sich die Menschen auf den Himmelsweg. Aus dem Spanischen übersetzt bedeutet camino der Weg. Und dieser Camino de Santiago soll direkt unter der Milchstraße verlaufen und über spirituelle Lebenskraft verfügen. Warum also  nicht   einen  Versuch wagen.

Tag 1 der Vorbereitung (Mitte Mai) begann mit einem Informations-Einkaufs-Bummel im Olivandenhof in Köln, genauer gesagt in einem wohlsortierten Outdoor-Geschäft.

Tag 2 diente der Reisebuchung, denn schließlich mussten wir ja erst einmal an den Ausgangspunkt der Pilgerreise kommen. Der nicht vorhandene, aber überaus wichtige Rucksack war bereits bestellt und konnte abgeholt werden. Es wird ernst. Da war es schon Ende Mai.

Tag 3 brachte die schiere Verzweiflung. Bei einer Probewanderung stelle ich fest, dass sich die Sohle meines heißgeliebten Meindl-Wanderstiefels in Wohlgefallen aufgelöst hatte. Horror pur – denn es bedeutete, neue Schuhe müssen her. Was kann es Schlimmeres geben, als mit jungfräulichen Wanderschuhen eine große Tour in Angriff zu nehmen. Alles Jammern nützte nichts. Wieder nach Köln – Jakobus ist bestimmt dabei gewesen – (oder hat vielleicht mein Gindorfer Opa, der Jakob hieß, zugesehen) und neue Schuhe gekauft. Auch noch ein anderes Modell und eine andere Marke, wenn das nur gut geht! Aber der reichlich Kompetenz ausstrahlende Verkäufer leistete volle Überzeugungsarbeit. Und das war gut so!

Tag 4 dann die   f a s t   echte Probewanderung, nur der Rucksack fehlte! Nach etwas mehr als 5 Stunden und ca. 30 Kilometern sind meine Freundin und ich am Ziel, mit hängender Zunge, denn die flüssige Nahrung, sprich Wasser,  war zu gering, viel zu gering. Zurück zum Ausgangspunkt der Tour ging es dann mit dem "Feurigen Elias" – der Deutschen Bahn sei Dank!

Tag 5 sollte der Intuition gehören. Die Immer-wieder-Montags-Tennisstunde war überraschend  abgesagt worden. Geschenkte Zeit also für eine kleine Wanderung zu Hause! Ab auf den Wolfgangsstieg! Schon wieder ein männlicher Weg. Ich muss einmal darauf achten, ob die Namensgebung für Wanderwege mehr männliche oder weibliche Züge hat. Gleich zu Beginn des Weges fesselt ein kleiner, fast weißer Stein meine Aufmerksamkeit. Ich hebe ihn auf. Der geht mit auf den Camino! Er avanciert zum Sorgenstein, der irgendwann in luftiger Höhe beim Cruz de Ferro abgelegt werden wird. Vorher bekommt er aber noch einen wundervollen Spruch aufgemalt, der mit Nagellack in klarer Form versiegelt wird: "En la escuela de la vida no hay vaccaciones." Was bedeutet: In der Schule des Lebens gibt es keine Ferien.

Inzwischen hat der Monat Juni schon 15 Tage erlebt. Zu Hause steht der Rucksack unübersehbar im Zimmer. Überall liegen irgendwelche Gegenstände, die darauf warten, entweder mitgenommen oder wieder ins Dunkle der Schubladen oder des Schrankes zurückgelegt zu werden.

Tag 6. Es ist der 17. Juni. Dieser Tag ist der religiösen Seite unseres Pilgerunterfangens gewidmet und beginnt mit einem Gottesdienst. Im Anschluss an die heilige Messe  erteilt der Pfarrer den  Pilgersegen. Das ist zwar nicht zwingend notwendig, aber da der heilige Jakobus die Schirmherrschaft übernehmen soll, ist es vielleicht nicht schlecht, sich auch mit seinem Chef gut zu stellen.

Die drei Tage bis zum Abflug am 20. Juni 2007 sind geprägt von Hektik, Zweifel und Freude.

Endlich ist es so weit.

 

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